In der Nähe von Arezzo gibt es ein kleines Dorf, das in den 1960er Jahren von seinen Bewohnern verlassen wurde. Vor ungefähr 20 Jahren hat eine Familie das gesamte Arsenal gekauft und begonnen, es wieder zu bewirtschaften. Das Dorf besteht heute aus ungefähr 30 Häusern, Weinbergen, jahrhundertealten Olivenhainen und Weiden, auf welchen über tausend Schafe weiden. Ein Großteil der Häuser wurde im Laufe der Jahre liebevoll restauriert. Heute werden sie teilweise als Toskana Ferienhäuser vermietet. Es gibt auch noch eine alte Olivenmühle und eine Fattoria, in welcher die selbst erzeugten Produkte verkauft werden.
Dieses kleine Dorf mit seinen Ländereien und seinen wunderbaren Menschen hat eine Romantik, die man kaum mit Worten beschreiben kann. Es ist eine kleine Welt für sich. Wenn man dort ankommt, bleibt alles Beschwerliche, alles Alltägliche zurück und man taucht ein in eine wunderschöne Landschaft, die einen vom ersten Augenblick an verzaubert. Ein bisschen hat man das Gefühl, durch einen Roman oder einen Film zu wandern. Alles dort ist fast unreal schön. Am schönsten aber sind die Sonnenuntergänge, die man von seinem Garten oder seiner Ferienhausterrasse genießen kann. Die Ruhe, die dann über diese liebliche Landschaft einkehrt, ist einfach ein Genuss.
Einmal in der Woche findet in diesem kleinen Dorf ein gemeinsames Essen aller Gäste und Dorfbewohner statt. Man sitzt zusammen an einer langen Tafel, trinkt Wein und genießt selbst gemachte Nudeln mit ebenfalls selbst gemachten Soßen. Das ist ein unglaubliches Ereignis. Es wird geredet, oftmals auch gesungen, wenn die Stunde weiter vorangeschritten ist. Kinder spielen auf der Wiese und wenn es dunkel wird, werden Kerzen angezündet.
Menschen, die nicht dieselbe Sprache verstehen, sprechen miteinander, mit Hand und Fuß und strahlenden Augen. Irgendwie ist immer jemand darunter, der eine Gitarre oder eine Mundharmonika dabei hat. Musik ist niemals geplant bei diesen gemeinsamen Essen, aber sie findet fast jedes Mal statt. Manchmal stehen dann auch Gäste auf und tanzen unter dem Sternenhimmel dazu. Ich habe es noch nie erlebt, dass jemand bei diesen gemeinsamen Essen grämlich oder traurig war. Auch wenn er so gekommen sein sollte, dann hat ihn diese einzigartige, gemeinsame Stimmung mitgetragen. Die Letzten gehen oft erst am frühen Morgen zurück in ihre Ferienhäuser. Wenn man sich am nächsten Tag dann wieder begegnet, ist es schon fast wie Familie.
Diese besondere Romantik, die man in diesem kleinen Dorf erleben kann, ist die Romantik des Gefühls, nicht alleine auf der Welt zu sein.





