Etwas Überwindung gehört dazu
“Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht” – das war meine Grundeinstellung, als mein Freund mich überreden wollte Thai essen zu gehen. Gegenüber unseres New Yorker Hotels war nämlich ein stets gut gefülltes Thai-Restaurant, das auch wirklich einladend aussah. Doch ich war skeptisch. Denn zuhause aß ich nie besonders exotisch. Eher kommen italienische oder französische Sachen auf den Tisch, doch Thai hatte ich vorher noch nie probiert. Aber auch mir knurrte langsam der Magen. Irgendein Restaurant mussten wir auswählen und die meisten waren nicht gerade in der Nähe. Mein Freund erzählte mir, dass man im Thai-Restaurant auch Frühlingsrollen bekommen würde und die mag ich wirklich sehr gern. Wenn ich auch sonst eher zurückhaltend bin bei fremder Kost. In Anbetracht der schlechter werdenden Laune bedingt durch den Hunger, ließ ich mich überreden.
Was nehme ich nur?
Als die Bedienung uns an einem Tisch platziert hatte, gab es gleich darauf die Karten. Nun, mein Englisch ist ganz gut, doch an thailändisch hapert es ein bisschen. Der einzige Teil des Gerichtes, der in der Karte übersetzt war, war die Fleischsorte. Ich wählte also zwischen Geflügel, Pute und Schwein und entschied mich für Geflügel. Da die Englischkenntnisse der Bedienung auch nicht besonders gut waren, bestellten mein Freund und ich lediglich “2x Was Leckeres mit Geflügel”. Die Botschaft war wohl sehr eindeutig und es wurde nach einigen Minuten bereits serviert.
Beim nächsten Mal wird’s anders
Der erste Bissen kostete mich einige Überwindung. Es roch zwar sehr köstlich aber ich hatte ja wie gesagt Thai-Essen noch nie probiert und bin ja eher zurückhaltend bei neuen Gerichten. Nun ich probierte. Und kurz drauf schnellte meine Hand zum Wasserglas. Ich konnte kaum reden. Mein Freund sah mich nur verwundert an. Es war so scharf! Ich trank das ganze Glas auf einmal leer und stopfte einen Löffel puren Reis hinterher. Nach einigen Minuten wurden die Schmerzen auf der Zunge weniger, doch ich traute mich nicht noch mehr davon zu essen. Meinem Freund machte die Schärfe der Chili jedoch nichts aus. Er aß des Öfteren scharfes Essen und auch in seiner Familie wird gelegentlich mit Chili gekocht. Ihm schmeckte es. Doch ich hatte außer Schmerzen gar nichts geschmeckt. Nach dem ich den ganzen Reis pur gegessen hatte, lehnte sich ein anderer Gast, der das Spektakel miterlebt hatte, zu uns herüber: “Sagt doch das nächste Mal: Bitte ohne Chili.” Ich denke, dass ist ein guter Tipp. Sollte es noch mal so sein, dass man nirgendwo anders als in einem Thai-Restaurant essen kann, dann werde ich sagen: “Was Leckeres mit Geflügel ohne Chili, bitte!”.





